Rāja Yoga- "Der Königsweg": Die Yoga Form der Vollendung

 

Die ganzheitlichste und anspruchsvollste Yogaform ist der Rāja Yoga

Eine geistige Disziplin

Die acht Stufen des Raja Yoga oder Ashtānga Yoga nach dem Yogasutra von Patānjali:

 

Yoga ist eine philosophische und praxisbezogene Lehre aus Indien. Das Wort “Yoga” kommt von der Wurzel „yuj“ und bedeutet sowohl “verbinden” als auch “anspannen”. rāja übersetzt heisst königlich. Das bedeutet, dass man die Meisterschaft über sich selbst erlangt, man wird König im eigenen Sein auf allen Ebenen.  Somit kann man es gerne als „königlichen Yoga-Weg“ bezeichnen.

Yoga ist die Union von Jīvatma und Parāmatma, die vom Yogi oder dem Yoga-Schüler durch die Praxis erfahren werden kann.

Vom Advaita oder traditionellen monistischen Standpunkt aus gesehen gibt es dual eigentlich keine letztendliche Vereinigung, da jede Vereinigung den Dualismus des göttlichen und menschlichen Geistes voraussetzt. Das Göttliche Bewusstsein, aus dem alles entspringt und zu dem alles zurück fliesst, ist aber immer das Eine.

 

In der klassischen Tantra-Tradition gibt es vier Yogaformen: Mantrayoga, Hathayoga, Layayoga, Rājayoga.

 

Eine brauchbare Begriffsanalyse über den Yoga kann man bei Shankara und Rāmānuja finden. Patānjalis System beschreibt im Gegensatz zu Rāmānujas Werken eine recht radikal differierende Theorie und Praxis, bringt aber dem Yogapraktizierenden sicher ebenfalls wesentliche Einsichten.

 

Es wird ebenso eine dreifache vedische Einteilung erwähnt, nämlich: Jñāna oder Rāja Yoga (jñāna kanda), Karma Yoga (karma kanda), Bhakti Yoga (upāsana  kanda).

 

Sie alle unterscheiden sich in der Art und Weise der Praxis (Sādhana). Jeder dieser Formen verwendet aber die gleichen acht Glieder (ashtanga) als Grundlage.

 

Alle Yogaformen praktizieren nach dem ashtanga-Prinzip:

 

Yama

Das Verhalten in der Welt: Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen bzw. Ehrlichkeit, Nicht-Besitzergreifen, Masshalten im sattwischen Sinne z.b. Sexualität

Niyama

Der Umgang mit sich selbst: Reinheit, Zufriedenheit, Studium der Schriften, Selbststudium, Hingabe an das göttliche Bewusstsein

Āsana

Die Praxis mit dem Körper

 

Prānāyāma

Die Praxis mit dem Atem: Atemerweiterung

 

Pratyāhāra

Der Umgang mit den Sinnen: das Zurückziehen der Sinne bei höchster Wachheit

Dhāranā

Konzentration

 

Dhyāna

Meditation, Innenschau, Visualisierung des göttlichen Prinzips

 

Samādhi

Höchste Stufe des Yoga: Versenkung, Absorption in das Absolute

 

 

 

Yama ist:

 

Ahimsa

Gewaltlosigkeit

Satyam

Wahrhaftigkeit

Asteyam

Nicht-Stehlen

Aparigraha

Selbstbeherrschung

Brahmacharya

Mass-Halten

 

 

Niyama ist:

 

Saucha

Reinheit

Samtosha

Zufriedenheit

Tapas

Selbstdisziplin

Svādhyāya

Selbststudium, Selbstreflexion

Īshvara-pranidhāna

Vertrauen und Hinggabe in das Göttliche Bewusstsein

 

 

Yama und Niyama sind die äusseren zwei der acht Grundlagen des Yoga (ashtangayoga). Man schenkt seine Aufmerksamkeit dem physischen Dasein, also dem Träger des Jīva oder Jīvatman, das individuelle Selbst. Ebenfalls die physische Ebene betreffend werden sowohl Āsanas, die Körperposituren, als auch Prānāyāma, die Atementwicklung, praktiziert. Pratyāhara ist die Kontrolle der Sinnesfunktionen, bzw. die Unterwerfung der Sinne unter den Geist, der dadurch gleichförmig werden kann.

 

Die drei, als innere Glieder bekannten, Prozesse, nämlich Dhāranā, Dhyāna und Samādhi, vervollständigen die physische und geistige Disziplin. Hier handelt es sich um die geistige Konzentration auf ein Objekt (Dhāranā), das Verschmelzen des Geistes mit einem Objekt durch Kontemplation (Dhyāna) und um in die höchste Erfahrung: Samādhi, das Eintauchen in das höchste Bewusstsein der Nondualität.

 

Yoga charakterisiert keine Verwirklichung, wo der Jīvatma (individuelles Selbst) zum Parāmatma (höchstes Selbst) wird, sondern bezeichnet die Mittel durch die man dies erreichen kann. Yoga ist somit eine Fachbezeichnung für spezifisch physische und psychische Prozesse, mit deren Hilfe man das innerste Wesen des Menschen, zu enthüllen vermag. Yoga ist somit kein Ergebnis, sondern der Prozess oder die Praxis durch den/die man Befreiung erreichen kann.

 

Yoga liefert eine Methode, welche lehrt Citta (Verstand) und Prāna zu beherrschen und schliesslich zur Stille - mauna zu bringen. Wenn Citta und Prāna  regungslos geworden sind, tritt Cit oder Parāmatma unverhüllt hervor.

 

Das passiert mühelos, wenn Körper und Geist in die uranfängliche Śakti absorbiert werden, also retour in die Kraft, aus der sie entsprungen sind, um manifest gewordene Formen darzustellen, die durch die Wirkkraft des Höchsten Bewusstseins erscheinen.