Einführung in den Mantra Yoga

mahāmṛtyuñjayamantra – महामृत्युञ्जयमन्त्र

 

ॐ त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्धनम्‌ ।

उर्वारुकमिव बन्धनान्मृत्योर्मुक्षीय माऽमृतात्‌ ।

 

oṃ tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam

urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt

 

 

Meditierend verehren wir die Höchste Göttliche Wirklichkeit und Allwissenheit, die überallhin ausstrahlt, Ihren Duft der grenzenlosen Liebe verströmt und das Wohlergehen aller Wesen bewirkt. Möge diese Höchste Wirklichkeit all unsere Fesseln lösen und uns innerlich reifen lassen, sodass wir die Höchste Unsterblichkeit erfahren.

Auf Grund der Komplexität und des Geheimnisses, die diese Praxis und Philosophie umgeben, ist es nicht ganz einfach Śabda-den Klang und das Mantra in der ganzen Tiefe zu verstehen. Das Mantra ist vermutlich bedeutungslos für jene, die seinen Sinn weder kennen noch erfahren haben.

 

Im indischen Śastra wird wohl kaum ein anderer Begriff so missverstanden wie das Mantra. Nach dem Yoga-Śastra wird die Devī, in Gestalt des Vaikhari (Vaikharirupa), so genannt, weil sie von Prāna hervorgebracht wurde, das Vikhara genannt wird. Dies ist Viratśabdha, die durch manifestierte Buchstaben (einzelne oder mehrere in Verbindung) gewisse Töne hervorbringen, die Mantren heissen. Genau genommen sind alle gesprochenen Töne Mantren. Aber im gewöhnlichen Sinne meint Mantra jene Buchstaben oder Verbindungen von Buchstaben, die im Upāsana (innere Verehrung, Ritual) und im Mantra yoga angewendet werden.

 

Ein Mantra bedeutet nicht zwangsläufig Heiliges oder Andachtsvolles. Das Mantra ist eine neutrale für jeden Zweck nutzbare Wirkkraft (mantraśakti). Mantra ist eine Kraft (Śakti) in Klangform. Die Wortwurzel „man” bedeutet „denken”. Denken verkörpert diese Śakti. Darum ist es ebenso real wie materielle Objekte. Die Wortwurzel „man” ist auch die Wurzel für das Sanskritwort „Mensch”, bezeichnet also ein Wesen, das als Einziges in der ganzen Schöpfung im eigentlichen Sinne ein Denker ist.

 

Was ist nun Śabda, der Ur-Klang?

 

Klang vermittels des Hörens wahrgenommen, ist von zweifachem Charakter: in Buchstaben ausdrückbarer Klang (varnatmaka) und in Buchstaben nicht ausdrückbarer Klang oder Dhvani - Dhvanyatmaka Śabda.

 

Diese letzte Klangform entsteht durch das Aneinanderstossen zweier Dinge und ist hier nicht von Bedeutung. Der in Buchstaben ausdrückbare Klang besteht aus Sätzen (vakhya), Worten (pada) und Buchstaben (varna).

 

Die alten Hindus hatten die zu bewundernde Fähigkeit, in wenigen Worten eine Menge auszudrücken. Ein Beispiel hierfür ist das MantraOm”. Diese kurze Silbe enthält eine ganze Philosophie bzw. erklärt in der Kürze die gesamte Schöpfung.

 

Das Mantra Om besteht aus drei Buchstaben:

 

A

Kreation

U

Erhaltung

M

Auflösung

 

Die ersten zwei Vokale fallen zu O zusammen. Über dem Om steht das Candra-Bindu, welches Nada (innerer Klang) und Bindu (nasalierter Laut) als einen Halbmond mit einem Punkt darüber darstellt.

 

Ein Mantra besteht also aus Sanskrit-Buchstaben. Diese und ihre Verbindungen als Silben und Worte sind Formen des manifestierten Śabda. Jede einzelne und die Gesamtheit der Formen stammen von der schöpferischen Kraftanspannung, die das Organ „Mund“ äussert, das „Ohr“ hört und das „Denkorgan“ aufnimmt, Was aber im Allgemeinen Mantra genannt wird, sind die besonderen Töne, die in der Verehrung (Pūjā) und Übung (Sādhana) angewendet werden und aus bestimmten Buchstaben bestehen oder aus Buchstaben, die in einer spezifischen Reihenfolge von Tönen angeordnet sind, deren darstellende Zeichen sie sind.

 

Die Beziehungen von Varna, Nada, Bindu, Vokalen und Konsonanten in einem Mantra, symbolisieren die Devatā in verschiedenen Formen. Gewisse Vibhuti (Aspekte) der Devatā wohnen bestimmten Varnas inne. Das Mantra einer Devatā ist der Buchstabe oder die Verbindung von Buchstaben, die die Devatā  dem Bewusstsein des Sādhaka oder der Sādhika offenbart, der (die) sie durch Sādhana-Śakti hervorgerufen hat. Darum hört ein Mantra, wenn es übersetzt wird, auf, Mantra zu sein. Das bedeutet, die in der Übersetzung gehörten und gesprochenen Worte sind nicht der Körper der Devatā  und rufen diese nicht hervor. Dies zeigt, dass das Mantra nicht ein rein individueller Gedanke ist, sondern einen besonderen Tonkörper des Bewusstseins darstellt.