Hatha Yoga: Wissenschaft vom Lebensprinzip

 

Hathayoga ist schriftlich erst seit ca. 1400 n.d.Z. belegt, wird allerdings mit Sicherheit bereits wesentlich länger praktiziert.

 

Hathayoga umfasst alle Sādhanas oder empfohlenen Übungs- und Praxismethoden, die sich in der Hauptsache dem physischen Körper (stuhla sharira) widmen.

Da dieser allerdings mit den subtilen Körpern, den Energiekörpern (sukshma sharira) in direktem Zusammenhang steht und unsere äussere Hülle bildet, beeinflusst jede Praxis mit dem manifestierten Körper natürlich sowohl die Energiekörper als auch unser Denken und das Fühlen.

 

Im Hathayoga übt man die Kontemplation auf die Essenz des Lichtes und den sogenannten Mahabodha, den Samādhi. Dadurch erreicht man mit diesem System vermittels Atemerweiterung und der Zuhilfenahme der anderen vitalen Vayus durch Prānāyāma, dass der Geist mitbeherrscht werden kann. Āsana und Prānāyāma sind nicht nur Bestandteile aus dem Hathayoga, sondern gehören ebenfalls zum Mantrayoga.

 

Das Wort „Hatha” setzt sich aus den Silben ha und tha zusammen. Das bedeutet „Sonne” und „Mond”  bzw. stehen sie für Prāna Vayu (aufsteigender bzw. vorwärtstreibender Pranastrom:) und Apana Vayu (absteigender Pranastrom: vom Nabel zum Wurzelchakra). Im Shatcakranirupana steht, dass der (im Anāhata Cakra wohnende) Prāna den (im Mūlādhāra wohnenden) Apana anzieht, und der Apana zieht Prāna an, wie ein angeseilter Falke vom Haltestrick, wenn er davonfliegen will und wieder zurückgezogen wird.

 

Die mit dem Hathayoga verknüpfte Praxis wird in sieben Stufen unterteilt:

 

 

Shodhana

Reinigung

Dridhata

Festigkeit

Sthirata

Standhaftigkeit

Dhairya

Gemütsbeständigkeit

Laghava

Auflockerung

Pratyaksha

Verwirklichung

Nirliptattva

Weltablösung

 

 

Shodhana ist die Grundlage im Hathayoga. Āsana folgt als nächstes, Dridhata erwirbt man durch Āsana, usf.

 

Āsanas, Mudrās, Bandhas und Kumbhakas benutzt man zur Erweckung der Kundalinī Śakti. Die kosmische Śakti ist Samshti (Gesamtkraft), während die im Körper existente Kundalinī Śakti vorerst nur als Vyashti (persönliche Śakti) aufzufassen ist, die allerdings das mikrokosmische Modell der Pāra-Śakti darstellt.

 

Die Hauptwerke des Hathayoga sind die Hathayogapradīpikā des Svatmarama, Śivasamhitā und die Gherandasamhitā, die Sammlung des Gheranda.

 


shodhana

Im Hatha Yoga sind ebenfalls shat karma kriyas und shatkarman (Sanskrit: षट्कर्मन् ṣaṭkarman n.) von höchster Wichtigkeit.

 

Das sind sechs Reinigungsübungen.

Shat heißt sechs. Karma heißt in diesem Zusammenhang Handlung. Shatkarma sind also die sechs Handlungen der Reinigung:

 

1. Dhauti:

  • Dhauti (Sanskrit: धौति dhauti f.) bedeutet wörtlich Quelle, Bach. Im Ayurveda bezeichnet es vor allem eine Magenreinigung.
  • Im Hatha Yoga: (die drei Wesentlichen)
    • Gandusha: Mundspülung mit Öl
    • Jihva dhauti: Zungenreinigung mit einem Zungenschaber
    • Danda Dhauti: Reinigung der Zähne

2. Neti:

3. Vasti/Basti:

  • Basti oder Vasti (Sanskrit: बस्ति basti und वस्ति vasti m. und f.) Das ist eine ayurvedische/yogische Einlaufbehandlung mit Kräutersud oder Ölen.

4. Nauli:

  • Nauli (Sanskrit: नौली naulī f.) hier wird durch gezielte Bewegung mit den Bauchmuskeln der Darm massiert und gereinigt. Ausserdem stärkt es das Verdauungsfeuer - agni und unser drittes Chakra - manipura

5. Kaphalabhati:

  • Kapalabhati (Sanskrit: कपालभाति kapālabhāti f.) bedeutet wörtlich Licht, Glanz, Leuchten des Schädels (kapala). Kapalabhati bezeichnet im Yoga und Ayurveda eine Atemübung mit einer schnellen Folge mit Fokus auf die Ausatmung und automatischer Einatmungen.

6. Trataka: