Die Historie von Tantra

 

Vor bereits mehreren tausend Jahren gab es in Indien eine Lehre, welche sich in Indien aus Aspekten des dravidischen Seins und des hinzukommenden arischen Bewusstseins entwickelte. Es war eine Form der Geisteswissenschaft, als Grundlage den Menschen zu unterstützen die materielle Erscheinungswelt zu verstehen und so Naturwissenschaftler des Selbst zu werden, indem sie die Strukturen des Bewusstseins durch Sadhanas (spirituelle Übungen) erforschten und erweiterten.

 

Die Menschen brauchten weder der materiellen Existenz zu entsagen noch das weltliche Leben abzulehnen, um in die Spiritualität einzutauchen. Sie sollten diese Welt der Fülle aus dem ganzen Herzen und voller Totalität erfahren können. Durch bestimmte Sadhanas kann jedes menschliche Wesen in die Tiefe, das Unter- und Unbewusste eintauchen, um wie neugeboren wieder an die Oberfläche zu gelangen und sich dem weltlichen Dasein stellen.

 

Das ist eine allgemeine indische Lehre - Bharata-Dharma, wonach die Welt eine Ordnung ist. Ein Gesetz, das von aussen durch keinen himmlischen Herrscher oder Gott auferlegt ist. Es ist die wahre Natur aller Materie, Subjekte und Objekte. Religion bedeutete gemäss dem Wortsinn: das was verpflichtet oder zusammenbindet – grundsätzlich die Erkenntnis, dass das Universum eine Ordnung ist. Alle Wesen sind ein Teil und jeder steht in einer bestimmten Beziehung zu ihm. Das auf solcher Erkenntnis beruhende Handeln verläuft in Harmonie mit der gesamten kosmischen Tätigkeit. Disharmonie ist Leiden. Fehlerhafte Haltung bringt Disharmonie hervor. Es gibt eine immanente Gerechtigkeit. Manchmal wird dies im Augenblick sichtbar zu anderen Zeiten nicht. Geburt und Tod bedeutet Schöpfung und Auflösung sowie das Universum kommt und geht.

 

Doch diese Lehre und die grosse Zivilisation, welche nicht der brahmanischen Religion angehörten, ging in ihrer ursprünglichen Praxis und Philosophie verloren.

Die Verehrung der großen Mutter, der ersten Mutter, Adya-Śakti eine der ursprünglichsten Religionen der Welt, die höchste Kraft (Śakti), die das Bewusstsein aktiviert, trat zunehmend in den Hintzergrund.

 

Das Wort Tantra, die Erweiterung der Wahrnehmung, wurde langsam durch das Wort Yoga – ein Teil von Tantra, den Vorgang der Verschmelzung ersetzt. Vielfältige Aspekte des Tantrismus, die sich aus Mantra, Yantra, Nyasa, Upasana und anderem zusammensetzen, wurden mit yogischen Vorschriften vermischt. Viele mit Tantra verbundene Praktiken wurden als strenggehütetes Geheimnis bewahrt. Das Wissen um Tantra wurde allmählich beschränkt auf Acharyas und Gurus. Aus Tantra wurde ein Gupta-Vidya: Man musste das Wissen und die Praxis von Tantra-Acharya und Gurus erwerben. Die weiblichen Gottheiten, die Ambitionen symbolisieren, die jeder Mensch besitzt, wurden durch männliche Gottheiten ersetzt. Aus Ajapa-Mantra und Pranayama-Übung “Ham-Sa” (sie ist, was ich bin) wurde “So-Ham” (er ist, was ich bin).

 

Mit diesem flüchtigen Blick auf Tantra wird deutlich, dass das was man heutzutage unter dem Namen Yoga kennt, immer ein Teil von Tantra war und ist.

 

Yoga ja, aber warum tantrisch?

 

Diese Aussage entstammt einem grundsätzlichen Irrtum, da sie von der Voraussetzung ausgeht, dass Yoga nicht auf Tantra und Tantra-Lehre nicht auf dem Vedanta beruht.

 

Im Grunde gibt es keinen Unterschied zwischen dem Tantra-Śastra (Tantra-Lehre) und dem Vedanta. Es gibt nur verschiedene Schulen und weiters gibt es in diesen Schulen verschiedene Lehren.

 

Die Tantra-Lehre (Agama) besteht prinzipiell aus rituellen oder praktischen Übungen (Sadhana-Śastra) und beschäftigt sich nicht unmittelbar mit der Yoga-Lehre, wie wir heutzutage kennen.

 

Im Tantrismus beruht die Erscheinungswelt nicht auf Täuschung (Maya-Śakti), sondern nimmt einen wirklichen oder göttlichen Ursprung des Kosmos an (Shaktivada). Der phyische Körper ist somit kein Hindernis, sondern göttlich und heilig. Die Tantra-Lehre, die in den Schriften zu finden ist, vermittelt ihre Tiefe dem spirituell praktizierenden Menschen (Sadhaka) mittels praktischer Anweisungen. So hat diese Lehre zweifellos für die Menge der Menschen einen stärkenden praktischen Wert.

 

Im Tantra werden bestimmte Bewegungsabläufe (spezielle Asanas & Mudras) gezielt eingesetzt, um die Atmung anzuregen und diese später mit einem Mantra (Klang oder Śabda) zu verbinden. Diese bewusste Form der Praxis kombiniert mit Mantra, Yantra und einer tiefen spirituellen Einstellung, die verschiedene rhythmische Atemmuster einbezieht, ist Tantra.